STORY - V-Triebwerk Sidecars

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Der Trick mit dem dritten Rad"
Normalerweise werden Harleys zu individuellen Choppern oder Custom-Bikes umgebaut. Normalerweise. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Zum Beispiel die mit Beiwagen. Das sind dann Kunstwerke auf drei Rädern, im klassischen Stil versteht sich. Eine Zeitreise in die Vergangenheit wird kostenlos mitgeliefert.


Es gibt Gespannmaschinen und Motorräder mit Beiwagen", lässt Manfred Klocke wissen. Er verrät aber auch gleich, wo der Unterschied liegt: "Bei modernen Gespannen ist der Seitenwagen mit der Zugmaschine fest zusammengebaut. Das Bike selbst ist in aller Regel auf den neuen Einsatzzweck mit einer stabilen Vorderradschwinge, Breitreifen und verbesserter Bremsanlage modifiziert. Nach diesem Umbau ist ein vollkommen neues Fahrzeug entstanden, man könnte allerdings dann auch sagen, einmal Gespann, immer Gespann. Ein Rückbau zum Solomotorrad ist anschließend nur mit immensem Zeit- und Kostenaufwand möglich. Ganz anders bei den Motorrädern mit Beiwagen. Hier ist das Boot an die Zugmaschine einfach angeschraubt und wenn man zum Gespannfahren keine Lust hat, bleibt der Seitenwagen einfach in der Garage stehen."


Der V-Triebwerk-Beiwagen, der tatsächlich wie aus den 50er Jahren aussieht, wird aus Stahlblech gefertigt, schnöde Kunststoffteile sucht man vergeblich. Damit hat sich die Nostalgie allerdings auch schon erledigt. Das Seitenwagenrad wird über zwei liegende Softail-Federbeine gefedert; die über die Fußbremse betätigte und in ihrer Bremskraft einstellbare Scheibenbremse stammt von Harley. Damit ist gewährleistet, dass je nach Beladung das Seitenwagenrad nicht überbremst. Die Verbindung zur Zugmaschine, wie unter Gespannfachleuten das Motorrad   genannt wird, übernimmt eine verschraubte 4-Punkte-Halterung.
Mit dem einfachen Anbau an eine x-beliebige Harley wollten wir uns für unser Vorführgespann jedoch nicht zufrieden geben. Auch das Bike muss zum klassischen Outfit passen", betont Manni. Als Basis diente eine 86er Evo Wide Glide, die mit Springer-Gabel, 16-Zoll-Reifen und breiten Kotflügeln den Vorstellungen schon sehr nahe kam. Doch dabei sollte es aber nicht bleiben. Schwingsattel, Trittbretter, Fußkupplung und Handschaltung gehören ebenso in die Zeitreise von Anno dazumal wie der von "V-Triebwerk" selbst gefertigte Benzintank aus Stahlblech. Kein Abstrich wurde dagegen bei der Sicherheit gemacht, ringsum übernehmen Scheibenbremsen die Verzögerungsarbeit.


Manfred "Manni" Klocke und sein Geschäftspartner Uwe Brieler bekennen sich unumwunden zur Dreiradfraktion "MmB", Motorrad mit Beiwagen. Und dass für sie auch nur eine Motorradmarke, nämlich Harley-Davidson, für diesen Spaß in Frage kommt, braucht man nicht extra zu betonen. Ihren kleinen, aber feinen Betrieb in Rietberg/Westfalen nennen sie "V-Triebwerk". Hier werden seit Anfang der Neunziger Harleys repariert, gewartet, verbessert, umgebaut und mal an- und verkauft. Den Job als Vertragshändler möchten sie sich allerdings nicht antun.
Das Fabel für die Gespannfahrerei haben sie schon so lange, wie sie sich für Motorräder interessieren und das ist eine halbe Ewigkeit. Und wie solch eine Beiwagenmaschine auszusehen hat, stand bei ihnen ebenfalls längst fest: Klassisch. So wie man die urigen Gefährte eben aus den 50er kennt und damals genutzt hat: für Familienausflüge mit Frau, Kind und Kegel. "Die Verwirklichung solch eines Gespannes dauerte bei uns jedoch etliche Jahre", gibt Manni zu und verrät gleich, "begonnen hat es bei der Veterama 1994. Da haben wir nämlich ein altes Boot entdeckt, das haargenau unseren Vorstellungen entsprach. Von welchem Hersteller dieser Seitenwagen war, konnte uns damals jedoch niemand sagen und um es ehrlich zu sagen, wir wissen es bis heute nicht. Diese ramponierte Boot wurde jedenfalls gekauft, restauriert, an eine Shovelhead gebaut und diente uns anschließend als Vorbild für eine eigene Entwicklung."

Mit dieser Beiwagenmaschine wollen wir zeigen, was mit Hang zur Nostalgie, Phantasie sowie Liebe zum Detail alles möglich ist", beschreibt Manni das V-Triebwerk Sidecar. Billig ist dieser Spaß allerdings nicht, rund 20.000 Euro ist die Beiwagenmaschine wert. Wobei jedoch zu bedenken ist, dass es sich hierbei um die Luxusausführung handelt. Wer lediglich ein V-Triebwerk-Boot an seine Harley schrauben möchte, muss für die Standardausführung mit Kosten ab 6.000 Euro rechnen.

Und da gibt es, wie weitere Beispiele zeigen, wiederum interessante Möglichkeiten. Auf Kundenwunsch wurde das Boot mit zwei Sitzplätzen ausgestattet, für Kids, damit sie mit auf Tour gehen können, oder für die Hundebesitzer unter den Gespannfreunden, damit die Vierbeiner nicht zu Hause bleiben müssen.

Text&Fotos: Winni Scheibe


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